Früher war es einfacher…

“Den musst du demnächst kastrieren lassen…,” hieß es, als ich vor gut zwanzig Jahren mit meinem Entlebucher Sennenhund Bazi in diversen Hundegruppen unterwegs war. Ich schüttelte den Kopf. “Nein, wieso? Der ist doch gut erzogen und gerade erwachsen…” “Eben deswegen,” war die Antwort, “das gibt später nur Ärger…” Ach was, dachte ich – doch nicht mit meinem tollen Hund! Eine Kastration meines gesunden und loyalen Begleiters kam für mich nicht in Frage.

Nun sind die Sennenhunde eher spätreif und um seinen dritten Geburtstag herum wurde Bazi erkennbar aggressiv anderen Rüden gegenüber. Wir wohnten damals mitten im Dorf und bald wurde jeder Spaziergang zum Spießrutenlauf. Mein einstmals so gehorsamer Freund verwandelte sich in einen mittelgroßen Höllenhund, sobald sich ein vermeintlicher Rivale näherte. Im Freilauf kam es darauf an, wie der Artgenosse reagierte. Selbstverständlich fuhr ich alle damals bekannten Register aus dem Hundetraining auf und hatte ihn letzlich ja auch im Griff. Aber es war anstrengend und stressig, ihn ständig zu maßregeln. Und teilweise auch nicht ungefährlich für meinen kleinen Sohn, der uns damals oft begleitete.

… es gab weniger Optionen

Zwei weitere Jahre gingen ins Land. Irgendwo war immer eine Hündin läufig und mein braver Gefährte flankte des Nachts sabbernd über den Jägerzaun unseres Hauses um in der Dunkelheit zu verschwinden. Lag er erschöpft vor unserem Sofa, bekam er Samenergüsse im Schlaf, die ihn verwirrt hochschrecken ließen. Damals gab es nicht viele Entlebucher Sennenhunde in Deutschland, aber er war mit einer Stummelrute zur Welt gekommen, die ihn von der Zucht ausschloss. Schweren Herzens ließ ich ihn im Alter von fünf Jahren kastrieren.

Nach ungefähr sechs Monaten wollte er einen intakten Rüden in bislang bewährter Manier in den nächsten Graben befördern. Der reagierte jedoch nur irritiert und machte lediglich einige halbherzige Abwehrbewegungen. Bazis verdutzter Blick sprach Bände. “Na komm, lass’ ihn…,” rief ich ihn zu mir. Er gehorchte, sah sich aber noch ein paar Mal verwundert um, als wir weitergingen. Von da an entspannte er sich zusehens und die weiteren neun Jahre, die uns noch vergönnt waren, verliefen ganz nach Entlebucher Art – lebendig, druckvoll, durchsetzungsstark und fröhlich.

Moderne Zeiten und ihre Studien

In modernen Zeiten ist eine Kastration ohne tiermedizinische Indikation tierschutzrelevant, weil man einem Tier ohne medizinische Notwendigkeit Organe entnimmt und damit Schmerz und Leid zufügt.  Es gab in den letzten zwanzig Jahren eine Vielzahl an Studien, die die Vor- und Nachteile der Kastration von Hunden beleuchteten. Aus den USA schwappte die Mode nach Europa, Hunde möglichst frühzeitig zu kastrieren – schon vor der ersten Läufigkeit bzw. mit 5-6 Monaten. Die Frühkastrationen entsprangen dem Wunsch zukünftige Gesäugetumore bei Hündinnen zu verhindern. Dazu gibt es Diskussionen um hormonell bedingtes oder anderweitig begründetes auffälliges Verhalten, das sich durch eine Kastration bessern soll – oder auch nicht. Die Möglichkeiten der modernen Tiermedizin sind vielfältig geworden, wenn es darum geht, das hormonelle Geschehen der Hunde zu beeinflussen.

Viele Informationen und Meinungen

Insgesamt gibt es eine Menge an Pro und Contra. Die Studien, die vor wenigen Jahren noch richtungsweisend waren, sind von weiteren Studien teilweise abgelöst worden. Wissenschaft ist ein fließender Prozess, in dem das, was gestern noch richtig schien, morgen vielleicht anders aussieht. So kann man aus den bisherigen Daten nicht eindeutig ersehen, ob das grundsätzliche Tumorrisiko durch die Kastration tatsächlich erhöht oder erniedrigt wird. Die Studien widersprechen sich teilweise. Dazu scheint es potentielle Fehlerquellen innerhalb der Studien zu geben, die einen Vergleich schwierig machen. z.B. wird das Alter der Hündinnen mal erfasst und mal nicht.  Tierärztliche Praxis 2017; 45 (K): 253 – 263

Entscheidung möglichst objektiv und individuell

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Entscheidung für oder gegen eine Kastration von zahlreichen Faktoren abhängt, die jeweils individuell betrachtet werden müssen. Das gilt sowohl für die Hunde, als auch für ihre Besitzer. Umfangreiche Informationen dazu findet man nicht nur im Internet, sondern auch bei der Tierärztin/dem Tierarzt, der Hundetrainerin/dem Hundetrainer u.s.w. Gerade Hundetrainer und/oder Dogwalker können einen Hund objektiver beurteilen, als es uns selbst als Besitzer möglich ist. Dazu kommt, dass Hunde ihr Verhalten ausgesprochen flexibel an Situationen, Menschen und Umgebung anpassen. Der Hund, den wir so gut zu kennen glauben, verhält sich ohne uns vielleicht ganz anders.

Hormonelle Kastration – die bessere Lösung?

Durch die klinischen Erfahrungen der Pharmaindustrie in der hormonellen Behandlung von Menschen wuchs wohl auch der Wunsch das Familienmitglied Hund auf diese Weise äußerlich unangetastet zu lassen und trotzdem Einfluss auf sein sexuelles Verhalten nehmen zu können.

Entgegen einer unumkehrbaren Operation mit den Risiken der Narkose mutet ein Implantationschip harmlos an. Aber ist er es auch? Ist eine Hormonspritze für die Hündin zur Läufigkeitsunterdrückung oder der Hormonchip für den Rüden zur Unterdrückung seines Testosterons (u.a.) wirklich tierschutzgerechter als eine operative Entfernung der Fortpflanzungsorgane? Bei einer einmaligen Anwendung aufgrund besonderer Umstände ist das sicher der Fall. Bei jungen Rüden, die z.B. noch zur Zucht verwendet werden sollen, kann man durch eine einmalige Anwendung des Chips sicherlich manch unschöne oder ungewollte (Geschlechts-)Situation überbrücken. Häufig wird der Chip auch implantiert, wenn man erst mal ausprobieren möchte, wie sich der Hund mit weniger Sexualhormonen verhält.

Anders sieht es aus, wenn aus dem vorübergehenden medikamentösen Eingriff ein Dauerzustand werden soll. Beide Manipulationsmethoden (OP und Spritze bzw. Chip) am Hund dienen, bei Licht betrachtet, uns Menschen im Umgang mit dem Tier. Die meisten unserer Hunde können und dürfen sich sexuell nicht so ausleben, wie sie wollen würden, wenn sie die Möglichkeiten hätten.

Wirkweise des Chips

Der Chip für Rüden ist seit 2004 in Australien in Gebrauch. Seit 2008 gibt es ihn auch in Europa. Er wurde an 75 Hunden klinisch getestet. Das Verhalten der Rüden wurde dabei nicht beurteilt.

Der Wirkstoff im Chip erklärt

Der Wirkstoff Deslorelin, der in dem Implantationschip zum Einsatz kommt, ist ein GnRH-Agonist oder ein Analogon (= chemisch gleicher Stoff), zu dem Gonadotropin-Releasing-Hormone. Das GnRH wird als Botenstoff vom Hypothalamus (Abschnitt des Zwischenhirns) zur Hypophyse (dem Hypophysenvorderlappen HVL) geschickt, um dort zur Bildung von zwei weiteren Hormonen anzuregen. Diese beiden, Follikelstimulierendes Hormon FSH und Luteinisierendes Hormon LH, bringen die Geschlechtsdrüsen zur Bildung von Testosteron und Östrogen bzw. zur Spermatogenese und Follikelreife. Die Wirkung, die das Gonadotropin-Releasing-Hormon auf den Hypophysenvorderlappen hat, kann man mit Hilfe eines ihm chemisch fast identischen Stoffes, der nur durch 2 weitere Aminosäurezusätze verstärkt wurde, schachmatt setzen. Deslorelin wirkt ca. 150 Mal stärker auf die dafür vorgesehenen Rezeptoren. Der Wirkstoff hat in der Humanmedizin einige Verwandte. Sie heißen Nafarelin, Histrelin, Goserelin, Buserelin und Leuprolide und werden bei der Behandlung von unerfülltem Kinderwunsch, Brustkrebs und Prostatakrebs eingesetzt.

Bei kontinuierlicher Abgabe von GnRH-Agonist-Medikamenten durch ein Implantat werden die Rezeptoren, die das Hormon im gesunden Zustand nur impulsweise erhalten, mit dieser Information überflutet.

Dies führt zuerst zu einem Anstieg der Hormone, auch in den Hoden (Testosteron). Nach mehr als 24 Stunden kommt es zu einer Desensibilisierung, woraufhin die FSH/LH-Sekretion trotz Erhalt des fördernden Hormons unterdrückt wird. So wird die Produktion des Testosterons auf Kastrationsniveau unterdrückt. Der Plasmatestosteronspiegel und die Funktion der männlichen Geschlechtsorgane sind 4-6 Wochen nach Implantation deutlich herabgesetzt. Dann sind auch die Hoden deutlich verkleinert.

Risiken…

Die Verkleinerung der Hoden ist einer der Gründe, warum der Chip bei Rüden im Alter unter 6 Monaten auf keinen Fall angewandt werden sollte. Die Hoden können durch die Schrumpfung wieder aufsteigen und in der Leiste oder der Bauchhöhle verbleiben, was eine OP unumgänglich machen würde.

Aufgrund der anfänglich erhöhten Hormonspiegel kann es zu plötzlicher Aggressivität und/oder vermehrtem Sexualtrieb kommen. Nach 6 Monaten „Chipzeit“ soll das Implantat aufgelöst sein – es dauert weitere 63 Tage bis wieder fruchtbare Spermien zur Verfügung stehen.

Es gibt auch Fälle, die sich nicht nach der Lehrbuchmeinung richten und länger brauchen, bis eine sexualhormon-unterdrückende Wirkung erkennbar ist und/oder bis diese durch erneutes Wachstum der Hoden erkennbar wieder aufgehoben wird.

… und Nebenwirkungen des Chips

Nebenwirkungen sollen so gut wie gar nicht vorhanden sein, allerdings wurden die potentiellen Folgewirkungen auf die Prostata, das Fell und die Muskelmasse nicht gezielt untersucht. Das Verhalten der Rüden wurde in den klinischen Untersuchungen nicht beurteilt. Mir wurde schon berichtet, dass der gechipte Rüde Verhaltensänderungen hin zu „Schlappheit“ und Interesselosigkeit gegenüber früher geliebten Spielen zeigte.  Eine Hundetrainerin erzählte von bislang unaufälligen Rüden mit plötzlichen Aggressionsschüben. Ebenso scheint verändertes Fell und Ausfall desselben vorzukommen. Ich erinnere mich an einen jungen Jagdhund, der im Pyrenäen-Berghund-Look in der Praxis auftauchte und antriebslos durch den Tag dümpelte.

Sämtliche Veränderungen des Hundes nach Setzen des Implantates sind NICHT homöopathisch zu therapieren. Man muss abwarten, bis der Chip “abgelaufen” ist. In meiner Praxis gab es eine Handvoll unglücklicher Besitzer, die auf der Suche nach einer Abkürzung dieser variablen Zeitdauer waren. Leider konnte ich da nicht helfen.

Spezialgebiet Hündin

Hormonbehandlung der Frau

Die Anwendung o.g. Hormone bei der Frau wird schon länger in Kinderwunschpraxen durchgeführt. Wie kommt es, dass ein Hormon, das eigentlich zur Unterdrückung der Sexualhormone genutzt wird, zu erfülltem Kinderwunsch verhelfen kann? Bei manchen Frauen besteht durch eine krankhafte Schleimhautwucherung (Endometriose) in der Gebärmutter (und oft umliegenden Geweben) keine Chance auf Schwangerschaft. Um diese Wucherungen am weiteren Wachstum zu hindern und eine Veränderung der Gebärmutterschleimhaut zu bewirken, muss zuerst die Östrogenproduktion auf null gesetzt werden. Die Frauen werden so künstlich in die Wechseljahre versetzt. Die Nebenwirkungen dieser Vorgehensweise werden durch weitere, niedrige Hormongaben abgemildert. Frauen setzt man genau so ein Depot, wie man das beim Rüden zur chemischen Kastration tut.

Chip für die Hündin?

Bei der Hündin ist dies aufgrund anderer hormoneller Zyklen (als der bei Frauen) jedoch nicht so einfach. Wird der Deslorelin-Chip zu einem Zeitpunkt gesetzt, an dem die Progesteron-Werte (Schwangerschaftshormon) niedrig sind, geht man durch die anfängliche Stimulierung der Sexualhormone das Risiko einer Dauerläufigkeit ein. Innerhalb von 2-3 Wochen nach der Läufigkeit soll der richtige Zeitpunkt zum Setzen des Chips sein. Dann sind die Progesteronwerte so erhöht, dass die Gebärmutter der Hündin möglichst wenig von den Sexualhormonen beeinflusst wird.

Eine gründliche gynäkologische Untersuchung einschließlich Ultraschall wird dringend empfohlen. Vor allem bereits vorhandene krankhafte Veränderungen in Form von Zysten oder Tumoren müssen vor der Applikation von Deslorelin ausgeschlossen werden. In den wenigen Fällen, in denen Eierstockzysten nach einer Behandlung mit Deslorelin zu einer Dauerläufigkeit führten, wurden keine Behandlungsmöglichkeiten für diese Komplikation gefunden.

Hier bleibt nur die Kastration. Die mangelnde Erfahrung mit dem Deslorelin-Implantat bei Hündinnen hat dazu geführt, dass der Hormon-Chip für die Hündin nicht zugelassen ist.

Ist die Anwendung trotzdem erwünscht, muss der Tierarzt das Medikament ausdrücklich „umwidmen“ und die Halter auf die Risiken hinweisen. Bei der Hündin wurde eine erneute Applikation des Chips bereits nach viereinhalb Monaten angeraten, eben um den o.g. Komplikationen möglichst aus dem Weg zu gehen.

Inkontinenz und Fellverlust nach Kastration – hier hilft die Homöopathie

Offenbar hat man mit der Chip-Applikation bei der Hündin jedoch zufriedenstellende Ergebnisse bei der Therapie von Harninkontinenz und/oder Fellverlust nach Kastration gemacht. Beides sind, neben Gewichtszunahme, die häufigsten Nebenwirkungen einer herkömmlichen Kastration. Die kastrationsbedingte Inkontinenz lässt sich auch ohne Hormone mit Hilfe der klassischen Homöopathie behandeln. Hier können entsprechend ausgebildete Tierheilpraktiker, Tierhomöopathen, Hundetrainer viel Gutes bewirken. Eine artgerechte und dem trägeren Stoffwechsel angepasste Fütterung trägt zum schlanken Hund und gesundem Haarkleid bei.

Aufgrund der unbekannten Risiken, die eine Anwendung des Kastrations-Chips bei der Hündin mit sich bringt, wird mittlerweile davon abgeraten.

Anwendungsort und Anwendungsmenge des Hormon-Chips

Beim Rüden kann der Chip in die lose Unterhaut zwischen den Schultern eingepflanzt werden. (Für Hündinnen empfahl man die Nutzung der Bauchhaut hinter dem  Bauchnabel. Dort konnte der Chip bei Bedarf leicht per Ultraschall lokalisiert und wieder entfernt werden.)

Unabhängig von der Größe des Hundes wird pro Chip eine Menge von 4,7 mg Deslorelin freigesetzt.

Anti-Läufigkeitsspritze

Obwohl die hormonelle Situation der Hündin mit der einer Frau nicht vergleichbar ist, werden sie mit denselben Hormonen behandelt, die Frauen zur Verhütung bekommen. Hündinnen kommen nicht in die Wechseljahre und hören nicht auf, fruchtbar zu sein. Dies ist ein menschlicher Irrtum, der immer wieder für Missverständnisse und alte Hündinnen sorgt, die das erste Mal in ihrem Leben mit 12 Jahren trächtig sind.

Die Hormone, die mit der Anti-Läufigkeitsspritze halbjährlich in den Körper geraten, hemmen die Freisetzung der Follikelstimulierenden Hormone FSH. Allerdings sozusagen eine Stufe tiefer als die GnRH-Agonisten und auch nicht so zuverlässig. Von „Durchbrüchen“ der Läufigkeit wird berichtet, oder dass die Spritze einmal wirkte und danach nicht mehr, oder nur noch halb.

Risiken und Nebenwirkungen der Spritze

Zudem fördern Hormone, die dem Schwangerschaftshormon Progesteron entsprechen, die Entstehung von Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, woraus die gefürchtete Vereiterung der Gebärmutter resultieren kann. Diese wird oft viel zu spät vom Halter bemerkt. Nicht jede Hündin, die eine geschlossene Pyometra hat, trinkt viel und liegt abgeschlagen in der Ecke.

Andere Nebenwirkungen der gespritzten Hormone können Zysten der Gebärmutter und Tumore der Milchleiste sein, die häufig nach einer lebenslangen Anwendung in den letzten Jahren der Hündin auftreten und jeder Therapie widerstehen. Auch Diabetes, das Cushing-Syndrom und Nebennieren-Insuffizienz werden als bekannte Folgen von häufigem „Wegspritzen“ der Läufigkeit genannt.

Betrachtung

Sind die o.g. Medikationen wirklich eine tierschutzgerechtere Herangehensweise bei der Verhinderung von unkontrollierter Vermehrung?  Bei jedem Hund muss individuell geprüft werden, ob eine Kastration sinnvoll für den Hund sein kann, oder ob sie ihm in seinem Verhalten der Umwelt gegenüber eher schadet. Ganz sicher ist die Kastration kein Allheilmittel bei Verhaltensauffälligkeiten.

Die Menschen nicht vergessen

Aber auch die Menschen, die den Hund besitzen, müssen gehört und vor allem gesehen werden.

So mancher ist mit einem potenten Rüden in all seinen natürlichen Ausdrucksformen schlicht überfordert. Das fachgerechte Einwirken auf Situationen, die durch die normalen Verhaltensweisen entstehen, kann nicht jeder bewerkstelligen. Außerdem kann man sich so die bislang vertrauensvolle Beziehung zu seinem Hund auch kaputt “erziehen“. Einfach, indem man viel zu oft eingreifen muss, wenn er lediglich seinen natürlichen Interessen nachgeht.

Eine Welt voller Bräute und Konkurrenten, voller Milch und ohne Welpen

Manche Rüden können einem auch leidtun, weil ihre Welt nur aus Körperöffnungen zu bestehen scheint. Und aus dem, was da raus kommt.

Ein Hund, der keine Probleme mit seiner Sexualität hat und Besitzer, die informiert und verantwortungsbewusst agieren, kann natürlich bleiben wie er ist. Aber wenn ein Rüde unter Dauererregung leidet und häufige Samenergüsse hat, kann er sich auf nichts anderes konzentrieren oder sich am Leben insgesamt freuen. Er ist sozusagen gefangen in sich selbst. Eine Hündin, die von einer schweren Scheinträchtigkeit in die nächste fällt, kann in depressions-ähnliche Schwermut verfallen aus der sie kaum noch herauskommt.

Grundsätzliches und gesunder Menschenverstand

Keinesfalls sollte ein Hund vor der ersten Läufigkeit oder (Rüden) vor der Pubertät kastriert werden. Kleine Hunderassen sind früher in und aus der Pubertät, als großwachsende Hunderassen. Rottweiler, Dobermann, Boxer, Riesenschnauzer, Leonberger, Bernhardiner und Irischer Wolfshund gehören zu den Rassen mit hohem Risiko für Inkontinenz nach Kastration. Auch Osteosarkome (Knochenkrebs) kommen bei diesen Rassen häufger vor. Bei ängstlichen Hunden ist besondere Sorgfalt in der Wahl des Zeitpunktes nötig, denn zu früh kastrierte (egal ob mit Chip oder OP) Hunde können nicht reifen. Unsicherheiten und Ängste verstärken sich dann.

Wenn möglich, lässt man den Hund einfach erwachsen werden. Gibt ihm Zuneigung, Führung und Halt.

Wenn eine Kastration in Erwägung gezogen wird, gibt es mehrere medizinische Möglichkeiten, die am besten mit dem Tierarzt/der Tierärztin besprochen werden. Auch hier muss ganz individuell entschieden werden.

Grundsätzlich ist eine gut überlegte Sterilisation oder Kastration keine Katastrophe. Viele Hunde und deren Besitzer können danach deutlich entspannter durch’s Leben gehen.

 

Quellen:

Sebastian Arlt, Axel Wehrend, Iris Margaret Reichler, Kastration der Hündin – neue und alte Erkenntnisse zu Vor- und Nachteilen, Tierärztliche Praxis Kleintiere 4/2017, Schattauer Verlag

Dr. Katja Trasch, Andrologie beim Rüden, Fachblatt „Tierarzthelferin“ Enke Verlag 3/2009

Dr. Sebastian Arlt, Die hormonelle Kastration von Rüde und Hündin – ein Überblick, Veterinärspiegel 4/2010, 155-160

www.wikipedia.de

www.vetpharm.uzh.ch/tak/05000000/00059061.01

www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Deslorelin

http://www.wunschkinder.net/infosammlung/GnRHAgonisten

 

Teile dieses Artikels erschienen im November 2011 für das Magazin SitzPlatzFuss