Krebs mit Homöopathie behandeln – geht das überhaupt?

Bei einer Krebserkrankung steht der Wunsch nach Linderung ganz oben. Die Besserung der allgemeinen Symptome und eine eventuelle Schrumpfung des Tumors sind die Ziele jeder Behandlung. Kann man Krebs mit Homöopathie behandeln?

Ja, das geht –

aber es gibt, wie in der konventionellen Medizin auch, natürliche Grenzen. Dieser Artikel stellt Möglichkeiten Krebs mit Homöopathie zu behandeln vor. Die Behandlung von Krebs ist eine Herausforderung und ihr Erfolg hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Eine homöopathische Therapie ist immer ein Versuch den Organismus zu einer Selbstregulierung zu bewegen. Bei Krebs ist die Lebenskraft häufig ziemlich angeschlagen (salopp und gelinde ausgedrückt). Es ist wichtig, den Organismus nicht mit einem homöopathischen Reiz zu überfordern. Deshalb gehört die Behandlung in die Hände von erfahrenen Therapeuten.

Häufig steht die Notwendigkeit im Vordergrund überhaupt irgendwie eine positive Veränderung zu bewirken. Hier möchte ich die Chancen in der Behandlung von Krebs mit Homöopathie zeigen. Welche Wege gibt es überhaupt? Welche Mittel werden häufiger angewandt und gibt es auch Studienergebnisse oder Fachartikel?

Seit 200 Jahren

Der Begründer der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemann aus Meißen, hat schon zu seinen Zeiten Krebskranke behandelt. Damals war die konventionelle Medizin noch weit von ihrem heutigen Stand entfernt. Wir können also auf eine lange Erfahrung in der Behandlung von Krebs mit homöopathischen Mitteln zurückgreifen. Über die Jahre und durch die internationale Verbreitung der Homöopathie entstanden verschiedene Richtungen der Vorgehensweisen. Schon immer hat man die Homöopathie auch an Tieren angewandt, wenn auch nicht so umfangreich, wie das heute der Fall ist, wo Tiere (speziell Haustiere) einen anderen Stellenwert haben, als damals.

Mehr Studien in der Tiermedizin

Die homöopathische Behandlung von Tieren hat man nicht immer so genau niedergeschrieben wie beim menschlichen Patienten. Dennoch gibt es in der älteren Literatur Aufzeichnungen, an die spätere Generationen anknüpfen konnten. In den letzten Jahren sind erfreulicherweise mehrere

Studien/Fachartikel

Die Carstens-Stiftung hat eine Studien-Datenbank angelegt, die jedem zugänglich ist. Dort finden sich Kurzbeschreibungen von u.a. J. Wurster – die erfolgreiche Behandlung eines Melanoms beim Hund mit Sulfur in Q-Potenzen (2009); Stephenson – Langzeit-Remission von Mastzell-Tumor Grad III beim Hund (2014); Matos de Silva et al. – Orale, örtliche und inhalative Anwendung von Calcium carbonicum Komplexmittel in der Behandlung von entzündlichem Gesäugetumor bei Hündinnen (2012). Umdadevi et al. – Homöopathische Behandlung von Haut-und Maulkrebs in Haustieren – hier: Kühe und Pferde (2017). Die Studien/Fachartikel sind größtenteils in Englisch geschrieben und veröffentlicht.
zur homöopathischen Tiermedizin und zur Krebsbehandlung erschienen.

Schulmedizin und Homöopathie kombiniert

Grundsätzlich kann auch eine konventionelle Therapie gut homöopathisch begleitet werden, um z.B. die Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie zu mildern. Alle vorgestellten

Einzelmittel

Jedes homöopathische Mittel, das nur aus EINEM Wirkstoff besteht, wird als Einzelmittel bezeichnet. Also Arnika, Hypericum, Calcium carbonicum etc, sind alles Einzelmittel. Der Gegensatz zum Einzelmittel sind die Komplexmittel, die aus mehreren Einzelmitteln kombiniert sind, z.B. Traumeel.
wurden und werden in der Krebstherapie sowohl an Menschen, als auch an Tieren angewandt. Die Homöopathie macht da in der Anwendung

keinen Unterschied

Stand September 2021. Das neue Tierarzneimittelgesetz hat die Homöopathie als alternative Therapieform extra integriert. Dabei wurde mit deutscher Gründlichkeit vorgegangen und weit über das EU-Ziel hinaus eine Regelung eingeführt, nach der auch frei verkäufliche Arzneimittel (hier: homöopathische Arzneimittel) ab Ende Januar 2022 eine tierärztliche Verordnung brauchen, um angewandt werden zu dürfen. Hier muss korrigiert werden. Die entsprechenden Verbände sind an dem Thema dran.

Verschiedene Ansätze in der homöopathischen Therapie

  1. Nach dem klinischen Befund – meist mit niedrigeren Potenzen, z.B. D6, D12
  2. Mit dem Konstitutionsmittel – meist mit Q- oder LM-Potenzen oder höheren C-Potenzen, z.B. C200, C1000 und in eigens angefertigten Verdünnungen der C-Potenzen (Split-Dosis)

Krebs mit klinischer Homöopathie behandeln

In der sogenannten klinischen Homöopathie therapiert man meist mit Einzelmitteln, die einen besonderen Bezug zu Krebs und dem Ort des Geschehens (Organ bzw. Körperteil) haben. Also mit Mitteln, die verschiedene Formen von Geschwüren, Wucherungen, die Zubildung von Gewebe ganz allgemein oder dem selbstständigen Verschwinden von Gewebe, der Zersetzung von Gewebe, in ihrem

Mittelbild

aufzeigen. Das sogenannte Mittelbild ist die Summe der Symptome aus der Arzneimittelprüfung UND den Erfahrungen, die man mit diesem Mittel in den letzten Jahrhunderten gesammelt hat.
.  Die folgende Auflistung ist beispielhaft und bei weitem nicht vollständig. Sie soll der Orientierung dienen.

Beispiele

  • Kiefer- und Schädelknochen, Knochen allgemein – sowohl z.B. Knochensporne, als auch Auflösung von Knochen ⇨ Hekla lava – ab D4
  • Neubildungen am Knochen/Knochenhaut, Knochenverletzung ⇨ Symphytum – ab D4, gerne C30
  • Tumore am After ⇨ Arsenicum jodatum D6
  • Tumore der Haut, der Schleimhäute, innerlich und äußerlich, Wucherungen, Warzen ⇨ Thuja – ab D6
  • Tumore von Drüsen mit Verhärtung, kleine Knoten, nach Stoß oder Quetschung ⇨ Conium – ab D4
  • Verhärtung der weiblichen Brust, Mammatumore, die in der Scheinträchtigkeit wachsen ⇨ Phytolacca – ab D4, meine Erfahrung: C30
  • Gerstenkorn, kleine, juckende Neubildungen, leicht blutend, After, Ohrränder, Lidränder ⇨ Staphisagria – ab D6, gerne C30
  • verhärtete Tumore von Drüsen, Fibrome, im Knochen-Knorpel-Bereich ⇨ Calcium fluoratum – ab D4

Krebs mit klassischer Homöopathie behandeln

Unterschiede der Wirkweisen

Während die klinische Homöopathie eher auf die einzelnen Symptome abzielt, geht es in der klassischen Homöopathie um das Individuum als Ganzes. Auch die Geistes- und Gemütssymptome, also wie das Individuum geistig und seelisch “aufgestellt” ist, werden in die Arzneimittelwahl mit einbezogen. Die großen

Konstitutionsmittel

“Konstitution” ist ein anderes Wort für “Verfassung”, also wie die jeweilige Verfassung des Patienten aussieht. Dazu gehören ALLE Symptome, die in der Prüfung eines Arzneimittels in Erfahrung gebracht und bestätigt worden sind. Sie bilden ein großes Konstitutionsmittel, z.B. Sulfur, ab.
erfassen auch die ererbten Anteile eines Organismus. So geht die Wirkung eines Konstitutionsmittels in einer Hochpotenz (ab C200 oder Q- und LM-Potenz) weit über die Wirkweise eines nach “klinischen” Gesichtspunkten ausgesuchten Mittels in einer D4-Potenz hinaus.

In der Praxis wird das Konstitutionsmittel aber auch von dem passenden, “klinischen” (also eher schulmedizinisch gedachtem und ausgewähltem) Arzneimittel ergänzt. Diese Kunst, die Abfolge von Arzneimitteln und Potenzen richtig umzusetzen, gehört auf jeden Fall in die Hände von Könnern. Gerade bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Dazu braucht es viele Jahre an Studium und Praxis der klassischen Homöopathie.

Grundgedanke

Mit der klassischen Homöopathie wird immer versucht, ein Mittel zu finden, das auch an die Ursache der Erkrankung heranreicht. 

Krebs und seine Symptome werden nicht einzeln betrachtet, sondern als ein Ausdruck einer Gesamterkrankung verstanden. Der Versuch den Leidensweg positiv zu beeinflussen ist besonders schwierig, wenn es bereits Metastasen gibt und/oder (wie meistens) Bestrahlungen und Chemotherapien stattgefunden haben. Schwierig auch deshalb, weil die vorangegangenen Therapien das ursprüngliche Bild des Patienten erheblich verändert haben.

Herausforderung in der Behandlung von Tieren

Bei Hunden und Tieren allgemein kommt hinzu, dass man auf seine eigene Wahrnehmung zurückgeworfen wird, was z.B. Geistes- und Gemütssymptome angeht, also das Verhalten des Tieres. Hier ist es entscheidend, das Tier nicht vermenschlichen zu wollen. Tiere bewerten ihre Symptome nicht. Oft geben sie weniger von sich preis, je schwerer sie erkrankt sind. Es ist hilfreich, wenn man den Hund schon lange kennt und weiß, wie er im gesunden Zustand war.

Trotzdem lohnt sich die Suche nach einem Konstitutionsmittel, weil es möglicherweise die entscheidende Information für den Organismus bereithält, die vielleicht doch noch die positive Wendung bringt.

Dosierungen

Konstitutionsmittel werden in höheren C-Potenzen oder in Q-Potenzen/LM-Potenzen gegeben. Die Höhe der Potenzen und Häufigkeit der Gaben richten sich nach den Vorgaben Hahnemanns, den Erfahrungen seiner Nachfolger UND VOR ALLEM nach der Empfindlichkeit des Patienten. Die höheren C-Potenzen sind ausgesprochen stark in ihrer Wirkung und bei Krebserkrankungen meist zu heftig!

Hier leisten die Q- oder LM-Potenzen die weitaus besseren Dienste!

Vor einer häufigen oder gar täglichen Gabe einer hohen C-Potenz wird dringend abgeraten! Warum? Das begründet Hahnemann selbst im Organon, 6. Auflage, § 276 sinngemäß so: Die häufige Wiederholung verdeckt die ursprünglichen Symptome derart, dass der Patient an einer Arzneimittel-Krankheit erkrankt. Je homöopathischer und ähnlicher das Mittel ist, desto schwieriger ist diese künstliche Krankheit wieder aus dem Organismus zu bekommen. Grundsätzlich wird durch zu häufige Gaben von Hochpotenzen die Lebenskraft unterdrückt. Damit erreicht man das Gegenteil einer Linderung oder Heilung.

Konstitutionsmittel in der Behandlung von Krebs – Beispiele

  • Arsenicum album – hier stehen extreme (Todes-)Ängste im Vordergrund. Das ist nicht automatisch bei jedem so, der an Krebs erkrankt ist. Bei Hunden fällt eine Neigung zu Kontrollzwang in Kombination mit Angst-Aggression auf.
  • Phosphor – liebevoll, anstregend, sucht Nähe und Trost, sehr schwach, Angst vor dem Alleinsein. Durst auf kalte Getränke, kalte Nahrung, der Hund säuft eine Schüssel kalten Wassers fast in einem Zug aus und erbricht es gleich darauf. Strahlenschäden.
  • Sulfur – optimistisch, hoffnungsvoll, mit viel Appetit. Sieht ungepflegt aus (Hund: auch wenn man ihn oft bürstet). Hund wälzt sich auffällig oft in Dreck. Heißer Körper. Heißer Kopf beim Hund. Brennende Schmerzen. Durchfall (nur) morgens, dann nicht mehr.
  • Natrium muriaticum – Krebs durch Kummer (z.B. verstorbener Besitzer), erschöpft, abgemagert. Will nicht getröstet werden, reagiert aggressiv. Will in Ruhe gelassen werden.
  • Silicea – wirkt zart und zerbrechlich. Scheu, zurückhaltend. Geht Konflikten aus dem Weg, macht ihr eigenes Ding, beugt sich nicht. Schleimhäute, Bindegewebe, Lymphgewebe, Knochen. Strahlenschäden.

Der schulmedizinische Name der Erkrankung spielt in der Behandlung mit Konstitutionsmitteln kaum eine Rolle. Daher finden wir auch wenige Bezeichnungen und/oder Diagnosen von Krebserkrankungen in den Mittelbeschreibungen.

Fazit

Krebs mit Homöopathie zu behandeln ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

Quellenangaben/Literatur zu diesem Artikel

Literatur (alle genannten Autoren sind Ärzte oder Tierärzte): Gisela King, Veterinärhomöopathie, Schlütersche Verlag+++Hans Günter Wolff, Unsere Hunde – gesund durch Homöopathie, Sonntag Verlag+++Barbara und Michael Rakow, Homöopathie in der Tiermedizin, Verlag Aude Sapere+++Jens Wurster, Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore, Verlag Peter Irl+++Norbert Enders, Bewährte Anwendung der homöopathischen Arznei, Haug Verlag

Hier geht es zur Carstens-Stiftung (für die Datenbank muss man sich registieren, ist kostenlos) : https://www.carstens-stiftung.de/datenbanken-zur-integrativen-medizin.html#/